Quelle: Stefan Müller-Naumann

Werksviertel

Hinter dem Ostbahnhof, zwischen Frieden-, Mühldorf-, Ampfing-, Anzinger, Aschheimer und Rosenheimer Straße, soll auf 38 Hektar ein urbanes Stadtquartier entstehen. Wo einst Traditionsunternehmen wie Pfanni, Zündapp, Konen und Optimol ihre Produktionsstätten hatten und heute viele Nachtschwärmer unterwegs sind, werden einmal 2300 Menschen leben und 12.000 arbeiten.

Das Planungsgebiet liegt im Stadtbezirk Berg am Laim und ist durch seine Nähe zum Ostbahnhof gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Es ist eine der letzten großen zusammenhängenden Flächen in Zentrumsnähe. Die Grafinger und Haager Straße durchqueren das Gebiet, das durch Straßen und Gleise momentan wie eine Insel von der Umgebung abgeschottet wird. Das Nebeneinander alter Industriehallen und neuer Gebäude soll dem Quartier einen unverwechselbaren Charakter geben.

Geplante Nutzungen

Nach dem Leitbild „kompakt, urban, grün“ sollen auf engem Raum alle Nutzungen des täglichen Lebens vereint werden: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur und Freizeit. Mittelpunkt des neuen Quartiers wird ein 1,8 Hektar großer Park, von dem aus sich ein Netz aus Grün- und Freiflächen durch das Gebiet spannt. Vereinzelt sollen 60 bis 80 Meter hohe Hochhäuser städtebauliche Akzente setzen.

Wohnen

Um den zentralen Park herum entstehen etwa 1000 Wohnungen in Blockrandbebauung, 30 Prozent davon in gefördertem Wohnungsbau. Die Häuser haben fünf bis sechs Geschosse, grüne Höfe und werden durch die daneben liegenden Gewerbe- und Kerngebiete vom Straßen- und Bahnlärm abgeschottet. Jede Wohnung soll eine Dachterrasse, einen Garten oder eine Loggia als „grünes Wohnzimmer“ bekommen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner sind ein Begegnungszentrum und drei Kindertagesstätten geplant. Die Versorgung mit Grundschulplätzen bei maximal 1000 Wohneinheiten ist durch Erweiterungen der Schulen an der Grafinger und Bazeillestraße sichergestellt.

Arbeiten

Zu den 5000 bestehenden Arbeitsplätzen sollen 7000 neue in den Bereichen Gastronomie, Hotel, Dienstleistung und Einzelhandel hinzukommen. Entlang der Rosenheimer und Anzinger Straße sowie nördlich der Haager Straße konzentrieren sich gewerbliche Nutzungen in bestehenden und neuen Gebäuden. Die bestehenden Standorte sollen attraktiver und dichter werden. Höherwertiges, nicht störendes Gewerbe zwischen der Haager und Mühldorfstraße dient als Puffer zu den Wohngebieten. Der Medienstandort an der Rosenheimer Straße wird ausgebaut. Entlang der Friedenstraße an der Bahn ist ein Mix aus unterschiedlichen Nutzungen möglich: In den dichten Kerngebieten können Büros, Veranstaltungsorte, ein Hotel und Wohnungen entstehen.

Kultur und Freizeit

Die Pläne greifen die Geschichte des Geländes und die Umgebung auf. Industrielle Elemente, wie die ehemaligen Silos, das Werk 1 und 3 oder die Pfanni-Kantine, bleiben erhalten und sollen dem neuen Quartier einen unverwechselbaren Charakter geben. Die Silos beherbergen heute eine Kletterhalle, im Werk 3 befinden sich Ateliers, Ausstellungs- und Lagerflächen und in der Pfanni-Kantine residiert ein Restaurant. Die Gebäude sollen umgebaut, erweitert und durch neue Nutzungen wie Freizeit- und Sportangebote, Galerien, Einzelhandel, günstige Ateliers und besondere Wohnformen wie Lofts oder Studentenappartments ergänzt werden. Alle Nutzungen gruppieren sich eng nebeneinander und gestapelt um einen neuen zentralen Platz herum.

Einkaufen

Nördlich der Grafinger Straße entsteht ein Nahversorgungszentrum mit Läden für den täglichen Bedarf, Büros, Restaurants und einigen Wohnungen.

Straßen und Wege

Erschlossen wird das Gebiet über grüne „Kommunikationsbänder“ mit integrierten Fuß- und Radwegen, die Haager, Grafinger und eine neue „Medienstraße“, die im Süden parallel zur Rosenheimer/Anzinger Straße verläuft. Das bisher hermetisch abgeschlossene Firmengelände wird durchlässiger. Die Hauptstraßen werden als Alleen gestaltet. Der Zugang zum Ostbahnhof soll verbessert werden. Das Gebiet ist gut an das örtliche und überörtliche Straßennetz angebunden.

Freiräume

Der Grünanteil liegt momentan bei 14 Prozent, 80 Prozent der Fläche ist versiegelt. Das wird sich ändern: Die öffentlichen Freiräume bekommen eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Entwicklung des Quartiers und seiner Vernetzung mit den umliegenden Gebieten. Die Kommunikationsbänder laden zur Begegnung, zum Flanieren, Verweilen und Spielen ein. Sie werden von einspurigen Erschließungsstraßen eingerahmt. Der zentrale Park bildet die „grüne Mitte“ des Quartiers.

Was bisher geschah

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb

2001 hat die Stadt München für das Gebiet, das damals noch „Rund um den Ostbahnhof“ hieß und 115 Hektar umfasste, einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb ausgelobt. Der erste Preis ging an das Büro 03 Architekten aus München mit dem Nürnberger Landschaftsarchitekten Professor Gerd Aufmkolk von der Werkgemeinschaft Freiraum. Auf Grundlage des Siegerentwurfs erstellte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung einen Strukturplan in zwei Varianten. 2007 stimmte der Stadtrat den Eckdaten zu.

Weiterentwickelter Strukturplan

Das Planungsgebiet wurde auf 38 Hektar östlich der Bahn reduziert. Die Grundeigentümer beauftragten das Büro Steidle Architekten mit Werkgemeinschaft Freiraum Landschaftsarchitekten mit der Weiterentwicklung des Strukturplans und setzen sich dafür ein, dass die alten Hallen - insbesondere vier Gebäude der Kultfabrik - als identitätsstiftende Elemente erhalten bleiben. Auf Grundlage des weiterentwickelten Strukturkonzepts beschloss der Stadtrat im Oktober 2011, den Flächennutzungsplan zu ändern und den Bebauungsplan mit Grünordnung 2061 aufzustellen.

Ein Gebiet mit Geschichte

Das ehemalige Industriegebiet wurde 1904 geplant. Zum Großteil wurde es jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg besiedelt. Neben kleineren Unternehmen ließen sich vier große Firmen nieder: Rohde+Schwarz, die Spedition Rhenania, Pfanni und die Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG). Ab den Siebziger Jahren gaben viele Betriebe ihren Standort auf. In den brach liegenden Hallen etablierte sich seit 1996 der Kunstpark Ost (heute Kultfabrik und Optimolgelände) mit Lokalen, Diskotheken, Clubs, Ateliers, Konzerthallen, Ausstellungsflächen, Werkstätten und Büros. Diese Zwischennutzung machte das Gelände weit über die Stadtgrenzen Münchens hinaus bekannt. Viele gewerbliche Nutzungen kamen hinzu, unter anderem Büros, Großhändler, eine Kletterhalle und ein Umspannwerk der Stadtwerke München.

Quelle:
Landeshauptstadt München
Referat für Stadtplanung und Bauordnung