Quelle: LHM PLAN
Fotograf: Edward Beierle

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Ackermannbogen

Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, zwischen Olympiagelände und Schwabings Gründerzeitgebäuden, ist das vielseitige Stadtquartier „Am Ackermannbogen“ entstanden – geprägt von nachbarschaftlicher Gemeinschaft ebenso wie von individuellen Wohn- und Lebenskonzepten, von jungen Familien, Senioren und „urbanen Singles“, von Öko-Pionieren, Genossenschaften und Start-up-Unternehmern. Reihenhaus oder zwölfgeschossiger Turm, Stadtwald, Anger oder Dachterrasse – das Wohn- und Grünraumangebot ist vielfältig.

Bis zum Jahr 2015 werden auf dem Gelände der ehemaligen Waldmann- und Stettenkaserne voraussichtlich etwa 2.250 Wohnungen und circa 500 Arbeitsplätze entstanden sein. Zurzeit leben rund 4.000 Menschen im neuen Quartier. Am Ackermannbogen wurden zusätzlich zu der in der „Münchner Mischung“ üblichen Quote von 30 Prozent geförderten Wohnungen 20 Prozent der Wohnungen im München Modell, dem Förderprogramm speziell für junge Familien, sowie genossenschaftliches Wohnen realisiert.

Die Ermöglichung von Vielfalt, von integrativem und gemeinschaftlichem Wohnen in einer sozialverträglichen Nachbarschaft war von Beginn an Leitgedanke dieser Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme. Das im Rahmen des 1996 ausgelobten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbes mit dem ersten Preis ausgezeichnete Team überzeugte durch seinen abwechslungsreichen Entwurf eines Stadtviertels mit einem breiten Angebot unterschiedlicher Wohnformen und großzügigen, vielseitig nutzbaren Grün- und Freiraumflächen.

Die Planungsgemeinschaft der Architekten Vogel und Brunninger mit der Landschaftsplanerin Rita Lex-Kerfers entwickelte für das fast 40 Hektar große Areal ein sehr heterogenes Planungskonzept, in dem auch weite Teile des alten Baumbestandes in Form eines „Stadtwaldes“ soweit wie möglich integriert wurden. Der Stadtwald bildet eine Zäsur zwischen dem Nord- und Südteil des Gebiets und ist gleichzeitig Bestandteil der Fahrradhauptroute, die Schwabing mit dem Olympiagelände und Neuhausen verbindet. An diese Achse schließen im Norden die „Große Wiese“ und im Süden der Marktplatz an. Dieses Achsenkreuz teilt das Gebiet in vier Quartiere.

Während Teile des ehemaligen Kasernengeländes zunächst durch Zwischennutzungen – teilweise aus der Film- und Kreativbranche, aber auch durch Initiativen wie dem Münchner Verein für Heilende Erziehung – genutzt wurden, begannen im Quartier Nord-Ost im Jahr 2002 die ersten Bauarbeiten. In diesem 1. Bauabschnitt wurde in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. So wurde der Teilbereich im Rahmen des Programms der Bayerischen Staatsregierung „Siedlungsmodell Offensive Zukunft Bayern – Neue Wege entwickelt. Realisiert wurden hier 654 Wohnungen sowie zwei Kindertagesstätten. Frühzeitig band die Landeshauptstadt München im Rahmen eines sogenannten Optantenverfahrens Bauträgerinnen und Bauträger in den Planungsprozess ein.

Zudem wurde am Ackermannbogen erstmals in größerem Umfang die Möglichkeit für Baugemeinschaften geschaffen, Wohnprojekte zu realisieren. Die Stadt beauftragte einen Architekten, der die Bauwilligen bei der organisatorischen und baulichen Umsetzung ihrer Vorhaben unterstützte. Insgesamt sind nach diesem Modell bereits im 1. Bauabschnitt 35 Wohneinheiten entstanden. Auch in den anderen Bauabschnitten am Ackermannbogen wurden und werden Baugemeinschaftshäuser realisiert – vom Mehrgenerationen-Wohnprojekt „Stadtgestalten“ in Holzleichtbauweise über die großzügig verglasten Solarreihenhäuser bis hin zum geplanten Wohnprojekt „Wohnen ohne Auto III“.

Schon bevor die Bewohnerinnen und Bewohner der ersten Stunde ihre neuen Wohnungen am Ackermannbogen bezogen, ist durch den gemeinsamen Planungsprozess eine hohe Identifikation mit dem Quartier entstanden. Die seit 2005 erscheinende Bewohnerzeitung „Ackermannbote“, der äußerst aktive Nachbarschaftsverein Ackermannbogen e. V., die Nachbarschaftsbörse oder der „Schulbus zu Fuß“ sind nur einige Beispiele für das Engagement der Bewohnerschaft. Aber auch in der Bebauungsplanung der einzelnen Quartiere ist das Engagement der Leute vor Ort ablesbar. So wurden zum Beispiel die Planungen für den nördlichen Abschluss der„Großen Wiese“ nach Norden oder der Standort des neuen Supermarktes überarbeitet.

Eine weitere Pionierleistung ist im Quartier Nord-West zu finden. Im Rahmen des Modellprojektes „Solare Nahwärme“ werden 319 Wohnungen mit Energie versorgt. Dabei wird solare Wärme zur Bereitung von Heizenergie und Warmwasser eingesetzt. Das technische Konzept stellt eine Neu- und Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Nutzung regenerativer Energien dar. Über drei große Kollektorendächer wird Sonnenenergie gewonnen und in einem europaweit einzigartigen Erdspeicher gesammelt. Die Anlage ist seit Sommer 2007 in Betrieb.

Das Viertel wächst Schritt für Schritt. Im Zentrum des Quartiers ist ein Marktplatz mit Supermarkt und anderen Läden geplant. Im 4. und letzten Bauabschnitt soll betreutes Wohnen für ältere Menschen realisiert werden, die Parzivalschule des Münchner Vereins für Heilende Erziehung ein dauerhaftes Domizil finden und eine weitere Kindertagesstätte entstehen.

Möglichst viele und sichere Frei- und Spielräume zu schaffen, verbunden mit einem umfassenden Fuß- und Radwegenetz, war eine wichtige Planungsgrundlage für das familienfreundliche Viertel. Hierzu wurde ein zusammenhängendes, vielfältig nutzbares Freiflächensystem mit integriertem Spielraumkonzept angelegt. Es wurde mit dem Spielraum -Preis 2009 ausgezeichnet, wobei die Jury besonders hervorhob, dass die Bedürfnisse unterschiedlicher Benutzergruppen, also auch der älteren Bewohnerschaft, in idealer Weise berücksichtigt wurden.

Mittlerweile ist am Ackermannbogen eine der beliebtesten Wohngegenden Münchens entstanden – vor allem bei Familien. So äußerten sich im Rahmen einer für den Familienbericht München 2011 durchgeführten Befragung 90 Prozent aller Familien zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Wohnumfeld. Ein wichtiges Zufriedenheitskriterium stellten neben der Infrastruktur und der Lage die familienfreundlichen Quartiers- und Wohnstrukturen dar. So wurden im Rahmen der Konversion einstiger Militärflächen am Ackermannbogen neue Maßstäbe für familienfreundliches Wohnen in München geschaffen.

Quelle:
Landeshauptstadt München
Referat für Stadtplanung und Bauordnung