Quelle: Ingrid Voth-Amslinger

Quelle: LHM RBS

Quelle: Ingrid Voth-Amslinger

Quelle: LHM BAU

Sozialgerechte Bodennutzung

1998 wurde das Berufsschulzentrum an der Bergsonstraße nach dreijähriger Bauzeit seiner Bestimmung übergeben. Es galt als das bedeutendste Schulbauvorhaben der Stadt. Das über 100 Millionen Mark teure Projekt war damit die größte Maßnahme der Stadt im damaligen Schulhausneubau.

Auf einem lärmbelasteten, von Bahntrassen und Straßen umgebenen Grundstück entstanden vier eigenständige Schulen: drei Berufsschulen für Elektrotechnik und eine Berufsoberschule für Technik. Ein hoher technischer Ausbaustandard war gefordert, um innovativen Unterricht zu ermöglichen. Das neue Schulgebäude war auf modernste pädagogische, technische und didaktische Ziele abgestimmt.

Dem Bau ging eine lange Phase der Grundstückssuche voran. Oberbürgermeister Christian Ude erteile selbst in der stadthistorisch einmaligen „stadtratslosen Zeit“ in öffentlicher Sitzung am 18. Mai 1994 die formale Projektgenehmigung. Die Planung wurde vorangetrieben und am 3. Juli 1995 konnte der erste Spatenstich gefeiert werden; Richtfest war am 24. September 1995. Mit der Einweihungsfeier am 16. Oktober 1998 endete die mehr als 20-jährige Standort- und Realisierungs-Odyssee.

Für eine Anlage dieser Größe gelang ein angenehm überschaubares Gebäude, das klare Gliederung, guter Orientierung und gesicherten Lärmschutz bietet. Nach außen wirkt das Gebäude durch Aluminium und Glas technisch und kühl, nach innen durch Holz und Sichtmauerwerk warm und wohnlich. Die Architekten verstanden es, eine offene und inspirierende Atmosphäre zu schaffen.

Kunst am Bau

Für das Berufsschulzentrum wurden von der „Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum“ zwei Kunstwerke zur Realisierung empfohlen. „Blaue Wand / Rote Wand“ (1998) von Stephan Huber: „Im gläsernen Korridor, der die einzelnen Gebäudeblocks der beruflichen Schulen an der Bergsonstraße verbindet, gibt es zwei merkwürdige Mauern, die eine aus roten Ziegelsteinen, die andere aus leeren blauen Werkzeugkästen. Die rote konterkariert die „normale“ tragende Wand-Funktion mit ihrer beinah tänzerischen Schwebehaltung. (...) Die blaue Wand greift das Thema „Bauen“ als Spiel mit Bauklötzen auf. Leere, blaue Werkzeugkästen sind zwischen Fußboden und Decke so versetzt übereinander geschraubt, dass sie wie überdimensionale Honigwaben wirken. Stephan Huber spielt mit den Dingen, mit unseren Vorstellungen und unseren Begriffen von den Dingen. Er setzt das immer Gleiche nebeneinander, übereinander, wiederholt es potentiell unendlich, bis es sich seines alltäglichen Inhalts entleert hat und für neue Inhalte offen wird.

„Pendelturm“ (1998) von Norbert Radermacher: „Wie ein Wahrzeichen steht er da, der blaue Turm von Norbert Radermacher: geometrisch gesehen ein 18 Meter hoher Kegelstumpf mit einem Bodendurchmesser von acht Metern und einem Höhendurchmesser von vier Metern, die vier Fenster hoch oben exakt nach Norden, Süden, Osten und Westen ausgerichtet. Der Fußboden des Turms variiert das Thema der Himmelsrichtungen in einer als Steinintarsie verlegten Windrose. Knapp darüber endet ein im Mittelpunkt der Decke aufgehängtes Pendel, das, einmal angeschoben, ganz ruhig und gleich mäßig immer über den Mittelpunkt der Windrose schwingt. Dabei zeigt sich bereits nach kurzer Zeit, was unter normalen Bedingungen nie sichtbar ist: dass die Erde sich dreht. Mehr noch: dass sie sich von Westen nach Osten dreht, ablesbar an der Windrose im Boden, während das Pendel in seiner einmal gewählten Schwingungsrichtung verharrt. Norbert Radermacher geht es (...) darum, Unvorstellbares vorstellbar zu machen. Klarheit, Einfachheit und Konzentration regieren diesen Turm in seinem äußeren Erscheinungsbild. Aber in seinem Inneren wird er genau mit denselben Mitteln - Klarheit, Einfachheit, Konzentration - zu einem Ort der Kraft, an dem die Kraft tatsächlich sichtbar wird.“

QUIVID: Zitat Claudia Niklas, QUIVID-Karte Stephan Huber und QUIVID-Karte Norbert Radermacher)

Quelle:
Landeshauptstadt München
Baureferat