Quelle: Florian Holzherr

Quelle: Florian Holzherr

Quelle: Florian Holzherr

U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring

Fest der Farben

Von der auffällig geschwungenen Eingangsüberdachung des Bahnhofs Georg-Brauchle-Ring gelangt der Fahrgast in ein klar und funktional gestaltetes Sperrengeschoss. Eine besondere Fahrtreppe, deren Seitenwand von innen beleuchtet ist, geleitet zum Bahnsteig. Es öffnet sich ein sieben Meter hoher Raum, stützenlos und geradlinig. Eine Komposition von Farben erwartet den Fahrgast. Für sein Kunstwerk „Die große Reise“ entwarf Franz Ackermann ein Raster von Wandtafeln in 17 unterschiedlichen Farbtönen, in das er Tafeln mit Fotografien, Malereien, Post- und Landkarten aus den Metropolen der Welt einstreute. Sie haben autobiografischen Bezug. Insgesamt besteht diese Verkleidung aus 400 Metalltafeln.

Hier hängt der muschelförmige Musikpavillon auf der Ostseeinsel Rügen, dort erkennt man Sydneys Oper, und weiter vorne prangt Istanbuls Hagia Sophia. Dazwischen der wiederkehrende Schriftzug »Georg-Brauchle-Ring«, weiße Schrift auf grauem Grund, wie ein Anker, der verhindert, dass man sich wegtreiben lässt und ganz vergisst, dass man eigentlich in Moosach steht und auf die U-Bahn wartet – und nicht mitten in New York die Subway nimmt. So selbstverständlich treffen sich Große Welt und Nahsichten, als hätte Ackermann nur kurzerhand sein Fotoalbum ausgeleert und über die Wände verteilt, dass sich Bezüge plötzlich umkehren. Das Eigene wirkt fremd, und das Ferne ganz nah. Der Brunnen da – ist der nicht aus der Borstei?

Raumspiegelung

Ein durchgehendes geometrisches Raster prägt den Raum. 1:2, das Verhältnis von Höhe zu Breite der Wandtafeln, setzt sich bei den hellen Granitbodenplatten des Bahnsteigs fort. Auch die spiegelnden Edelstahlpaneele der Decke ordnen sich dieser geometrischen Relation unter. Edelstahlwellplatten rahmen das Kunstwerk und übernehmen die Anschlüsse an angrenzende Bauteile.

Die Höhe der zweigeschossigen Bahnsteighalle wird durch die Spiegelung der abgehängten Decke optisch verdoppelt. Die schlicht in die Decke integrierte Linienbeleuchtung gibt dem gesamten Raum eine gleichmäßige blendfreie Helligkeit. Sie kann sich ungehindert über die verglasten Brüstungen zum Sperrengeschoss ausbreiten. So ist eine offene und transparente Verkehrsarchitektur entstanden.

Es geht abwärts, Meter für Meter verschwindet der Georg-Brauchle-Ring. Dafür taucht eine andere Welt auf, eine Kunstwelt aus Edelstahl, Glas und Granit: offene Verkehrsarchitektur mit Aufzügen, beleuchteten Fahrtreppen, transparenten Brüstungen, Blindenleitstreifen und rechteckigen Handläufen. Alles ist genau miteinander verbunden. Fahrgäste gehenzielstrebig von den Außenüberdachungen über das Zwischengeschoss bis zum Bahnsteig.

QUIVID

Der U-Bahnhof Georg-Brauchle-Ring war der erste einer neuen Generation von U-Bahn-höfen, bei denen die Kunst die Federführung bei der Gestaltung übernahm. Im Rahmen von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm der Stadt München, wurden in den Folgejahren mehrere „Kunst-Bahnhöfe“ realisiert.

Bauwerk

U-Bahnhof mit beidseitig anschließenden
Streckentunneln, insgesamt 780 m lang.
Unterirdischer Bahnhof mit Mittelbahnsteig,
zwei Schalterhallen, sechs Ausgängen
und drei Aufzügen.

Bodenaushub 160.000 m³
Schlitzwandfläche 30.000 m²
Spundwandverbau 7.500 m²
Beton 72.000 m²
Stahl 7.000 t
Fertigteil-Gleiströge 1.680 m
Baukosten 61,7 Mio. Euro
Baubeginn Mai 1998
Fertigstellung Oktober 2003

Quelle:
Landeshauptstadt München
Baureferat