Quelle: Baureferat

Quelle: Markus Buck

Quelle: Baureferat

Quelle: Markus Buck

Berufsschulzentrum Riesstraße

Fünf Schulen an einem Standort

Mit dem Beruflichen Schulzentrum an der Riesstraße stellte sich die Landeshauptstadt München den medialen und technischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Fünf Ausbildungsstätten wurden an einem Standort zusammengeführt: die Berufsschulen für Medienberufe, Informationstechnik, Bürokommunikation und Industriekaufleute, für den Einzelhandel sowie für Steuern.

Die Anforderungen für die Planer waren klar definiert. Jede Schule sollte für sich erkennbar bleiben, aber mit den anderen eine sichtbare Einheit bilden. Die Infrastruktur sollte allen 2.500 täglich anwesenden Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen. Gut vernetzt und flexibel nutzbar – das war das inhaltliche Konzept. Städtebauliche, wirtschaftliche und funktionale Aspekte hatten höchste Priorität bei der Projektplanung.

Dafür stellte der Stadtrat am 1. Dezember 1999 mit seinem Grundsatzbeschluss die Weichen. Nach einer städtebaulichen Voruntersuchung und der Ermittlung des Raumbedarfs erarbeitete das Architekturbüro Bauer, Kurz, Stockburger (München) drei planerische Varianten. Die von allen beteiligten Referaten favorisierte so genannte »Kammlösung« wurde am 19. Juni 2002 vom Stadtrat genehmigt.

Bauliches Konzept

Die Planer setzten das kammartig aufgefächerte Hauptgebäude, bestehend aus fünf baugleichen viergeschossigen Schultrakten, von der Riesstrasse ab. Der Pausenhof ist ein frei zugänglicher Platz, der sich nicht auf den ersten Blick als Schulhof zu erkennen gibt. Ein bewusst gewählter Kontrast zu den formal gestalteten Schulgebäuden ist der ovale Multifunktionskomplex mit Aula und Mensa.

Die Bauarbeiten auf dem ca. 3 Hektar großen Areal konnten erst nach komplizierten Abbrucharbeiten des schadstoffbelasteten alten Schulgebäudes und einer Bodensanierung von April 2004 an aufgenommen werden. Der Grundstein wurde am 15. Oktober 2004 gelegt. Rund 120 Millionen Euro sollte der Schulbau kosten. Das ausführende Baureferat, Hauptabteilung Hochbau, sparte 18 Prozent der genehmigten Gesamtbaukosten ein. Termingerecht zum Schuljahr 2007/2008 bezogen die Berufsschüler nach dreijähriger Bauzeit den Gebäudekomplex.

Klar gegliedert

Wie fünf Zähne eines Kammes – daher der Begriff »Kammlösung « – reihen sich die fünf viergeschossigen Hauptgebäude des neuen Beruflichen Schulzentrums entlang der zentralen Erschließung aller Gebäude, einem lang gestreckten verglasten Verbindungsgang.

Die fünf konstruktionsgleichen Schultrakte wurden in Stahlbetonskelettbauweise ausgeführt. Ein speziell konzipiertes Konstruktionsraster ermöglicht ein flexibles Umsetzen der leichten Gipskartontrennwände auch noch zu einem späteren Zeitpunkt, sollte sich die Zahl der Schüler in den einzelnen Sparten verändern. Trotz der Größe des gut 200 Meter langen Gebäudekomplexes wirkt er leicht.

Im südlichen Trakt sind unter anderem die dezentrale Servicestation, die Stadtbildstelle, ein moderner Studiobereich und die Städtische Berufsschule für Steuern untergebracht. Durch die Licht durchfluteten Verbindungsgänge geht es in die anderen vier Trakte, die belegt sind von der Berufsschule für Informationstechnik, für Bürokommunikation und Industriekaufleute, für den Einzelhandel und für Medienberufe.

Jede Schule hat ihren eigenen Eingang. Über einen beleuchteten Windfang aus Glas gelangt man in die Eingangshalle des jeweiligen Schultraktes. Dort führt eine freistehende Treppe in alle Geschosse. Von oben fällt Licht durch eine ovale Öffnung, die Bezug nimmt zur Form des Multifunktionsgebäudes im Pausenhof. Die Unterrichtsräume liegen links und rechts des Mittelflures im Erdgeschoß sowie im zweiten und im dritten Obergeschoß. Das gesamte Gebäude ist behindertenfreundlich erschlossen.

Kein gewöhnlicher Pausenhof

Der Pausenhof zwischen Multifunktionsgebäude (mit Aula und Mensa) und der Sporthalle fungiert praktisch als Vorhof zwischen Riesstraße und Schulgebäude. Die Sporthalle verschwindet größtenteils im Boden und erscheint in ihrer Kubatur fast zierlich. Scheinbar klein, aber oho, möchte man sagen, denn immerhin beherbergt sie eine Einfachsporthalle und eine wettkampffähige, durch Trennwände unterteilte Dreifachsporthalle mit Zuschauertribüne. Außerhalb des Schulbetriebs wird die Halle von den Münchner Vereinen genutzt. In der Tiefgarage stehen ausreichend Stellplätze für Lehrkräfte und Sportlerinnen und Sportler bereit.

Die Gestaltung

Das gestalterische Konzept des Beruflichen Schulzentrums lebt von Kontrasten. Hier eine zurückhaltende Farbgebung, da freche Blau- und Grüntöne. Hier strenge Formen, da ein verspieltes Oval. Hier kühler Stahl, da warmes Holz. Aber überall: Transparenz und eine heitere Atmosphäre im Zusammenspiel mit dem sich nach innen verzahnenden Grün.

Zur Riesstraße hin sichtbar und gut ablesbar sind die einzelnen Berufsschulen, jeweils erkennbar an der großflächigen kunstvollen Beschriftung der vorspringenden Betonwände. Deutlich filigraner dagegen die Längsseiten, die von einem Rahmen aus Betonfertigteilen gehalten werden, der das erste bis dritte Obergeschoß umfasst. Diese Außenhaut besteht im Wesentlichen aus verglasten Metall- beziehungsweise Holzkonstruktionen. In der Horizontalen wird die Fassade durch Metallsprossen und Reinigungsstege vor den dunkel gehaltenen Glasflächen gegliedert.

Wie kleine Oasen liegen zwischen den fünf lang gestreckten Hauptgebäuden vier völlig unterschiedlich gestaltete Grünzonen, im Osten zur stark befahrenen Landshuter Allee hin begrenzt durch eine durchsichtige Schallschutzwand. Jeder Innenhof hat seinen eigenen Charakter, geprägt von einer individuellen Farbigkeit.

Prägnantes Gestaltungselement der Sporthalle sind die breiten horizontalen Lamellen des beweglichen Sonnenschutzes. Absoluter Blickfang direkt an der Riesstraße aber ist das Multifunktionsgebäude mit der Mensa und der großen Aula. Es besticht durch seine farbigen Glaspaneele in frischen Grün- und Blautönen, die besonders die vertikale Teilung der Holz-Glas-Fassade dieses ovalen Sonderbaus betonen.

Viel Licht auch innen

Rund 150 optimal ausgestattete Unterrichtsräume stehen für bis zu 2.500 täglich anwesende Schülerinnen und Schüler, die in Block- oder Tagesklassen unterrichtet werden, zur Verfügung. Die große durchgehende Fensterfront lässt viel Licht in die Klassenräume. Farblos lasiert sind die Wände, so dass die natürliche Färbung des Betons erhalten bleibt, leuchtend weiß die abgehängten Decken. Die zwei Meter hohen Flurwände der Klassentrakte sind schön und praktisch – durch transparente Glasoberlichter und eine abwaschbare Holzverkleidung in Ahorn.

Kunst am Bau

Im Rahmen von QUIVID, dem Kunst am Bau-Programm der Landeshauptstadt München, wurden von der „Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum“ zwei Kunstwerke zur Realisierung empfohlen:

„BERUF - MEDIA - TRADE“ von Heribert Heindl: „Drei in großen Lettern mit Silikatlasur auf die Fassade des fünfgliedrigen Baus geschriebene Begriffe bezeichnen chiffrenhaft dessen Funktion. Der Einsatz nur eines einzigen Farbtons stellt sich dabei als überraschend nuancenreich dar, wenn die unterschiedlichen, durch Überlagerung additiv entstehenden Farbintensitäten gegen den unbearbeiteten Sichtbeton abgesetzt werden.“

„3D²“ der Künstlergruppe Inges Idee: „Ein nach Maßen, Material und Markierungen reguläres Basketballfeld als Buckelpiste, quasi ein ins Dreidimensionale verschobenes surrealistisches Bild. Doch das Spiel, das hier gespielt wird, ist durchaus komplexer: es geht um das Verhältnis von Regeln, Regelüberschreitungen und Regellosigkeit, das eigentlich jedem Spiel innewohnt.“

QUIVID: Peter T. Lenhart, QUIVID-Karte Heribert Heind / QUIVID-Karte Inges Idee)

Quelle:
Landeshauptstadt München
Baureferat