Quelle: Léon Wolhage Wernik und Atelier Loidl

Quelle: Léon Wolhage Wernik und Atelier Loidl

Funkkaserne

Kaserne, Flüchtlingszentrum, Künstlerkolonie, Partylocation, Polizeistandort – die Nutzungsgeschichte des Areals an der Domagkstraße im Münchner Norden ist vielfältig. Seit Anfang 2013 werden die baulichen Grundlagen für ein weiteres Kapitel geschaffen: In dem neuen Stadtquartier sollen bis 2018 etwa 1600 Wohnungen, ein Park und soziale Einrichtungen entstehen.

Auf dem ehemaligen Militärgelände sind zahlreiche Freiflächen vorgesehen. Das Kernstück des 24,3 Hektar großen neuen Stadtviertels bilden ein großer Park mit prägenden alten Bäumen und ein zentraler Platz im Osten, an dem sich Läden und gastronomische Einrichtungen im Anschluss an die Endstation der neuen Tramlinie 23 befinden sollen. Der Park gliedert das Gebiet in ein nördliches und ein südliches Wohnquartier, die unabhängig voneinander erschlossen werden. Unterschiedliche Haustypen versprechen eine abwechslungsreiche, familien- und kinderfreundliche Bebauung. Von den 1600 Wohnungen werden 50 Prozent gefördert.
Des weiteren sind auf dem Gelände vier Kindertagesstätten, ein Haus für Kinder, Jugend und Familie, eine Grundschule, ein Studentenwohnheim und andere soziale Einrichtungen geplant. Alles wird über kurze Wege erreichbar sein.

Was bisher geschah

Nach dem Ende der militärischen Nutzung leitete die Landeshauptstadt München 1992 eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme für das Kasernengelände ein. Ein Strukturkonzept wurde erstellt und auf dessen Grundlage ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb ausgelobt, den 2002 die Berliner Büros Ortner & Ortner Baukunst sowie Topotek 1 Landschaftsarchitekten für sich entschieden. In die weitere Planung des Gebiets flossen Erfahrungen aus anderen Konversionen ehemaliger Militärflächen mit ein: So wurde entschieden, das gesamte Gebiet nicht in Teilabschnitten, sondern „in einem Guss“ zu überplanen. Ein Büro für solare und energetische Planungsberatung begleitete das Projekt. So konnten bereits frühzeitig die Weichen für einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen gestellt werden. Der Bebauungsplan mit Grünordnung Nummer 1943b ist seit 30. August 2010 rechtsverbindlich.
Anfang 2012 ging der Entwurf des Büros Latz + Partner Landschaftsarchitekten aus Kranzberg als Sieger im Auswahlverfahren zur Gestaltung des Parks hervor. Die Umsetzung liegt in den Händen des Baureferats.

Ein Ort für Künstler

Der lange Planungsprozess ermöglichte vielfältige Zwischennutzungen: Das Gelände wurde im Laufe der Jahre zum Partyareal, eine Kolonie mit mehr als 300 Künstlerinnen und Künstlern entstand. Der Wunsch der Kunstschaffenden nach einem Fortbestand der Kolonie als „Cité des artistes“ konnte teilweise erfüllt werden: Zumindest eines der ehemaligen Kasernengebäude blieb als Kunsthof erhalten und ist seit Sommer 2011 nach aufwendiger Sanierung eine dauerhafte Einrichtung mit 101 Ateliers. Im neuen Wohngebiet sollen weitere Räume für kulturelle Aktivitäten entstehen.

Gelände der Bundespolizei

Etwa ein Viertel des Areals (8,7 Hektar) nimmt das Sicherheitsgelände der Bundespolizei ein. Diese nutzt die bestehenden, zum Teil denkmalgeschützten Gebäude rund um den so genannten Ehrenhain und die dazu gehörigen Sportflächen.

Verkehrliche Erschließung

Die verkehrliche Erschließung erfolgt über zwei getrennte Straßenspangen nördlich und südlich des Parks. Die beiden Quartiere werden über den zentralen Park durch ein umfangreiches Fuß- und Radwegesystem miteinander verbunden.

Wohnen

Im Jahr 2013 haben die Bauarbeiten für die ersten 420 Wohnungen am Frankfurter Ring, dem nördlichen Eingang zu dem neuen Stadtquartier, begonnen. Der erste Wohnbauabschnitt wird durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag realisiert.

Die Gewofag lobte einen Realisierungswettbewerb aus, der im Januar 2012 entschieden wurde. Am Frankfurter Ring soll eine „Bastion mit freundlichem Gesicht“ entstehen, wie die „Bauwelt“ den Siegerentwurf des Berliner Büros Léon Wohlhage Wernik mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten betitelte – eine Wohnbebauung, die als Schutzwall gegen den Lärm der viel befahrenen Straße ebenso funktioniert wie als einladendes Entrée ins Quartier.

Die Grundstücke im Süden des Baugebietes wurden im Schwerpunkt an Wohnungsbaugenossenschaften und Baugemeinschaften vergeben, die im Sinne der Quartiersentwicklung ihre Bauvorhaben untereinander abstimmen.

Die weiteren Baugrundstücke werden bis Mitte 2014 durch die Hauptabteilung Stadtsanierung und Wohnungsbau ausgeschrieben und verkauft, um dann bebaut zu werden. Dort sind auch Informationen zum München Modell oder zu Baugemeinschaften erhältlich.

Um der Siedlung eine eigene Identität und einen eigenen Gebietscharakter zu verleihen, wurde für die Umsetzung ein Gestaltungsleitfaden erarbeitet, der Grundstrukturen wie etwa ein Farbkonzept vorgibt. Der Leitfaden wird den Grundstücksausschreibungen beigefügt und bildet die Grundlage für das Beratungsgremium zur Beurteilung der Bauvorhaben.

Städtebau: Ortner & Ortner, Berlin
Landschaftsarchitektur: Topotek 1, Berlin
Lärmschutzbebauung:
Architektur: Léon Wolhage Wernik, Berlin
Landschaftsarchitektur: Atelier Loidl Landschafts­architekten, Berlin

Quelle:
Landeshauptstadt München
Referat für Stadtplanung und Bauordnung