Quelle: Florian Holzherr

Quelle: LHM DIR PIA, Michael Nagy

Quelle: LHM DIR PIA, Michael Nagy

Quelle: Florian Holzherr

Lenbachhaus

Ein Gesamtkunstwerk, dessen Kern nach wie vor die denkmalgeschützte Künstlervilla Franz von Lenbachs ist: Im Mai 2013 wurde die Städtische Galerie im Lenbachhaus nach gut drei Jahren Bauzeit und einer inhaltlichen Umgestaltung wiedereröffnet und präsentiert sich seitdem völlig neu.

Der große Erfolg und die ständig steigenden Besucherzahlen des Museums waren ebenso Hintergrund für die Sanierung und Erweiterung wie die veränderten baulichen Anforderungen an ein Museum des 21. Jahrhunderts sowie die vorgefundenen, erheblichen bautechnischen, nutzungsbedingten und musealen Mängel.

Über ein EU-weites Verfahren zur Vergabe der Architektenleistungen erhielt Foster + Partners, London, den Zuschlag für den Auftrag. Nach der Ausarbeitung der Vorschläge zur Gesamtsanierung mit teilweisem Neubau hat der Stadtrat der Landeshauptstadt München dem Baureferat im September 2006 den Auftrag erteilt, die Planung dafür zu erarbeiten und im Dezember 2009 die Realisierung genehmigt.

Herausforderungen an ein Museum der Zukunft

Die Bauaufgabe umfasste die Ausstellungsbereiche und die historischen Räume in der Villa sowie die notwendigen Erschließungs- und Verkehrsflächen. Das neue Lenbachhaus sollte heutige Anforderungen an Aufenthaltsqualität in einem Museum, an Serviceeinrichtungen und Räume für Kunstvermittlungsarbeit sowie an die Sicherheit erfüllen.
Aus diesen Vorgaben entstanden komplexe Aufgabenstellungen für die Architekten. Darüber hinaus hatten sie die nur notdürftig behobenen Schäden der Zerstörungen aus dem 2. Weltkrieg zu beheben. Zudem durfte die historische Dreiflügelanlage äußerlich nicht verändert werden; der als historisches Denkmal geschützte Garten und die Originalräume Lenbachs sollten erhalten bleiben. Der Zugang durch den Garten und der Haupteingang über die Freitreppe der Künstlervilla waren allerdings ebenso problematisch für den Museumsbetrieb wie das unüberschaubare Raumgefüge, das nach diversen Teilumbauten der Vergangenheit die Orientierung im Ganzen erschwerte.

Gestalterische Schwerpunkte

Die Architekten Foster + Partners schlugen vor, die Eingangssituation neu zu ordnen und den Zugang zum Museum zu den Propyläen und zur U-Bahnstation mit dem Kunstbau hin zu situieren. Sie ersetzen den Anbau aus den 1970er-Jahren durch einen Neubau, der das Publikum empfängt und barrierefrei in die historische Villa leitet. Im neuen 11 Meter hohen Atrium ist die freigestellte Lenbachsche Villa skulptural verortet und bereits Teil der Ausstellung.

Der Ausblick auf den Königsplatz verschafft auch dem Museumsrestaurant, das im Neubau räumlich selbstständig angeordnet ist, ein Alleinstellungsmerkmal. Funktionsbereiche wie Kasse und Museumsshop sowie der Vortragssaal sind ebenfalls im Erdgeschoss um das Atrium gruppiert. Garderoben und Toiletten befinden sich im Untergeschoss. Dort sind auch Depots, Lager, Technikräume und der Küchenbereich untergebracht.

Außen ist der Neubau mit seiner vorgehängten, glänzenden Metallfassade gegenüber den ocker verputzten historischen Bauteilen abgesetzt. Die aufeinander abgestimmte Farbigkeit und die Gesamtgliederung ergeben zusammen ein neues Ensemble. Der Neubau umschließt die Rückseite des Lenbachhauses und nimmt zusätzliche Ausstellungsflächen auf.
Die Ausstellungsflächen sind nun klar gegliedert: Das erste Obergeschoss und die neu gewonnene zweite Etage sind durchgängig ohne Niveauunterschied, also barrierefrei. Sie erleichtern die Zugänglichkeit, die vormals aufgrund zahlreicher Treppen und Zwischengeschosse nicht gegeben war. Auch der Kern des Museums, die Villa mit ihren historischen Räumen, ist über einen neuen Aufzug barrierefrei erreichbar.

Die Architekten haben ihren Plänen sowohl die Topographie des Lenbachhauses als auch die vielschichtige Baugeschichte und die Nutzeranforderungen des Museums zugrunde gelegt. Sie haben den Charme des Privaten, den die Lenbachsche Villa auch künftig vermitteln soll, bewahrt und dem Neubau in Gliederung, Proportion und äußerer Erscheinung eine Form gegeben, die sich bewusst neben dem Bestehenden behauptet.

Sanierung des historischen Gebäudes

Das historische Gebäude und seine Innenräume wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalschutz, der Unteren Denkmalschutzbehörde, den Museumsverantwortlichen und den Baubeteiligten saniert. Nachdem der Neubau alle Einrichtungen des Besucherservices aufnimmt, sind die Räume im historischen Gebäude überwiegend den Ausstellungen und Wegeverbindungen gewidmet.

Die ehemals privat genutzte Villa, die zwischenzeitlich bis zu 400.000 Besucherinnen und Besucher jährlich frequentieren, musste statisch deutlich verstärkt werden. Im ehemaligen Ateliertrakt war ein teilweiser Austausch der Decken erforderlich. Das Treppenhaus im Grässeltrakt musste abgebrochen werden, der originale Naturstein wurde ausgebaut und für die neue Treppenkonstruktion wieder eingesetzt. Alle Stahlbeton- und Mauerwerksstützen sind erneuert oder ertüchtigt worden. Die Nord-Ost-Ecke des Lenbachhauses wurde entkernt, die Fassade ist komplett erhalten geblieben. Stürze und Brüstungen der Fassaden wurden so bearbeitet, dass Putzoberflächen und Natursteinsäulen gesichert werden konnten. Brandschutz und Haustechnik entsprechen den heutigen Anforderungen.

Der frühere Haupteingang der Villa führt nun direkt in die Gartenanlage, die originalgetreu wiederhergestellt wurde. Zur ursprünglichen Gartenarchitektur gehören drei Brunnen, deren Wasserspiel die Mittelachse markiert. Sie können künftig mit umweltschonend aufbereitetem Regenwasser betrieben werden.

Quelle:
Landeshauptstadt München
Baureferat