Quelle: von Ballmoos Krucker Architekten

Am Südpark

Der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb für das neue Stadtquartier „Am Südpark“ auf dem ehemaligen Eon-Gelände ist entschieden: Die Jury hat den Entwurf des Züricher Architekturbüros Von Ballmoos Krucker mit Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten (ebenfalls Zürich) als Sieger ausgewählt.

Die Planung der Schweizer Architekten sieht ein Wohngebiet aus drei Blöcken mit einer Höhe von jeweils sechs bis acht Geschossen und begrünten Innenhöfen vor. Zwischen den Blöcken erstrecken sich öffentliche Grünflächen und Wege, die das Quartier mit der Umgebung und dem U-Bahnhof Machtlfingerstraße verbinden. Durch die Blockränder wird das Wohngebiet gut vom Straßen- und Gewerbelärm abgeschirmt. Der klar definierte, öffentliche Außenraum und ruhige, private Innenhöfe schaffen Orientierung. Für die soziale Infrastruktur ist ausreichend Platz vorgesehen. Im südlichen Bereich an der Kistlerhofstraße sollen Einzelhandels- und Büroflächen entstehen.

Der Entwurf bildet die Grundlage für die Bauleitplanung.

Das Projekt

Auf dem brach liegenden Gelände an der Boschetsrieder Straße, Ecke Drygalski-Allee in Obersendling soll ein neues Quartier mit rund 1000 Wohnungen entstehen. Darüber hinaus sind Geschäfte, ein Ärztezentrum und soziale Einrichtungen geplant.

Eine Bebauung des insgesamt 15 Hektar großen Geländes im Münchner Süden ist schon seit Jahrzehnten im Gespräch. Anfang der Neunziger Jahre wollten die damaligen Isar-Amperwerke, heute Eon, dort ihre Konzernzentrale errichten - doch die Pläne wurden verworfen. Auch der Vorstoß, ein Einkaufszentrum zu bauen, wurde nicht realisiert. Nach langjährigen Bemühungen, dem Bebauungsplan entsprechend Büros und Verwaltungsgebäude anzusiedeln, beschloss die Stadt München, auf den unbebauten Flächen stattdessen ein attraktives Quartier mit 800 bis 1000 Wohneinheiten zu verwirklichen. Auch bis zu 1000 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

Beschlusslage

Im Juni 2012 fasste der Stadtrat den Grundsatz- und Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 2072. Neben dem bestehenden Gewerbegebiet ist ein acht Hektar großes Wohn- und Arbeitsquartier angedacht. Als Eckdaten wurden eine Gesamtgeschossfläche zwischen 114.000 und 134.000 Quadratmeter beschlossen, davon 80.000 bis 99.000 Quadratmeter für den Bereich Wohnen. Dazu muss der bestehende Bebauungsplan 918b geändert werden. Eine Herausforderung stellt die Bewältigung der Lärmproblematik dar.

Städtebaulicher Wettbewerb

Um eine ansprechende Gestaltung des Areals zu gewährleisten, hat der Investor, die Accumulata Immobilien Development GmbH, im Herbst 2012 in enger Zusammenarbeit mit der Stadt München einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb ausgelobt. Durch die intensive und frühe Einbindung der Öffentlichkeit wurde der Planungsprozess transparent gestaltet.

Der Wettbewerb hatte zwei Stufen: In der ersten Stufe erarbeiteten die zwölf eingeladenen Büros ein Gesamtkonzept. Dabei sollten sie einen Favoriten-Entwurf nach den Geschossflächenvorgaben und eine Alternative mit einer deutlich anderen Dichte erstellen. Aus dem international besetzten Teilnehmerfeld wählte die Jury am 15. Januar 2013 dann sechs Arbeiten zur weiteren Bearbeitung in der zweiten Runde aus. Sie wurden zusammen mit den anderen sechs Arbeiten bei einer mehrtägigen Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Bürgerbeteiligung als wichtiger Baustein

Am 26. Januar fand eine moderierte Bürgerwerkstatt statt, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erwartungen und Befürchtungen kund tun und Empfehlungen zu den Entwürfen äußern konnten, die in die zweite Stufe des Wettbewerbs einflossen. Von den 70 Teilnehmenden kamen etwa 40 Bürgerinnen und Bürger aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Externe Expertinnen und Experten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung standen ihnen beratend zur Seite.

Zwei Tage später stellten die Organisatoren das Zwischenergebnis bei einer Einwohnerversammlung des Bezirksausschusses dar. Anschließend bekamen die Architekturbüros ihre Entwürfe zur Überarbeitung und Vertiefung zurück. Am 15. Mai traf sich das Preisgericht erneut, um einen der Entwürfe als Sieger auszuwählen.

Der erste Preis ging an das Züricher Büro Von Ballmoos Krucker mit Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten: Der Entwurf sieht drei Baublöcke mit einer Höhe von sechs bis acht Geschossen vor. Dazwischen erstrecken sich großzügige öffentliche Grünflächen und Wege. Mit dem zweiten Preis zeichnete die Jury das Münchner Büro Hierl Architekten aus, mit dem dritten das Büro 03 Architekten, ebenfalls aus München.

Würdigung des Preisgerichts

Bewusst ohne effektvolle Hochpunkte schafft dieser Entwurf eine unaufgeregte städtische Raumqualität, deren Kraft in der Ruhe liegt. Die Baustruktur zeigt eine differenzierte Höhenentwicklung zwischen sechs und acht Geschossen. Im Zentrum der drei großen Blocks entsteht ein öffentlicher Park mit gutem Zuschnitt, der auch der angrenzenden Bebauung zu Gute kommt.

Die erprobte Qualität des Blockrands als städtebauliche Typologie erwies sich nach intensiver Auseinandersetzung des Preisgerichts mit den vielfältigen Beiträgen der Wettbewerbsteilnehmer als hervorragend geeignet für die Entwicklung des neuen Wohnquartiers zwischen Drygalski-Allee und Boschetsrieder Straße.

Weiteres Verfahren

Das Wettbewerbsergebnis bildet die Grundlage für das Bebauungsplanverfahren, in dem die Öffentlichkeit gemäß den Vorgaben des Baugesetzbuches weitere Gelegenheit zur Beteiligung hat.

Quelle:
Landeshauptstadt München
Referat für Stadtplanung und Bauordnung